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Hinter dem Kunstnamen The Legendary Tigerman versteckt sich der mosambikisch-portugiesische Sänger und Musiker Paulo Furtado, ein Phantast des Rock’n’Roll. The Legendary Tigerman entführt in eine Bilderwelt aus Sex, Verlust und Tod mit grummelnden Blues-Gitarren. Und pointierten Rhythmen.

Für das aktuelle Album „Misfit“ buchte sich Furtado mit seiner Band in das legendäre Rancho De La Luna, das Aufnahmestudio von Dave Catching am Joshua Tree ein. Im Gepäck - ziemlich genaue Vorstellungen, wie seine Lieder des vom Nichts besessenen Misfit am Ende klingen sollten. Eine mächtige Wall of Sound schwebte ihm vor. Und Rock’n’Roll-Klänge, wie man sie zuvor noch nicht gehört hatte. The Legendary Tigerman tritt 31. März in Berlin auf (Frannz Club, Schönhauser Allee 36, 10435 Berlin).

 

Nun gibt der Tigerman den coolen Rocker mit Punk-Attitüde und knatternder Angeber-Maschine, kreiert eine komplett irrwitzige, überaus zwingende Americana-Variante wie aus einem Tarantino-Film, dargeboten auf den Trümmern der vorangegangenen Sound-Explosionen , bevor er uns die Extreme der Wüstenlandschaft spüren lässt. Songs von ungeheurer Kraft , im effektvollen Wechselspiel zwischen Sound-Reduktion und -Verdichtung, zwischen Laut und Leise. Im Zentrum des Orkans: der singende, barmende, flehende Furtado. Der zentrale Mittelpunkt. Das Epizentrum.

Raus kommt man aus der Nummer jetzt nicht mehr. Der Tigerman hat einen am Wickel. Ist das jetzt alles noch Rock’n’Roll oder tatsächlich etwas völlig Neues? Nun, es ist The Legendary Tigerman. Und auf den lässt man sich am besten einfach mal ein und verschwindet mit ihm nicht etwa im Nichts, sondern in einem Universum, in dem es unfassbar viel zu entdecken gibt.

 

Wer „Misfit“, das neue Werk des in Mosambik geborenen und in Portugal aufgewachsenen Sängers, Songwriters und Multi-Instrumentalisten Paulo Furtado hört, wird sich unter Garantie irgendwann mit einiger Berechtigung und ebenso großer Begeisterung fragen: Was für eine Art von Musik ist das eigentlich? Um darauf eine solide Antwort geben zu können, muss man ein ganz klein wenig ausholen.  

Im Frühjahr 2016 spürte Furtado – bekannt, berühmt und gefeiert als The Legendary Tigerman – , dass es an der Zeit sei, neue Songs zu schreiben. Die Veröffentlichung seines Albums „True“ lag zu diesem Zeitpunkt beinahe zwei Jahre zurück, es war bis dahin seine erfolgreichste Platte gewesen. Hätte Furtado einfach so weitergemacht wie zu seligen „True“-Zeiten, man hätte es ihm gewiss nicht verdenken können, aber hey: Wir reden hier von The Legendary Tigerman – einem Musiker, der sich seinen Ruf als Exzentriker auf geniale Weise mehr als verdient hat und dessen Diskografie mehr oder weniger im Alleingang eingespielte Blues-Rotzlöffeleien ebenso umfasst wie Soundtracks und – unter dem Titel „Femina“ – Lieder beispielsweise mit Asia Argento, Peaches und Phoebe Killdeer. Künstlerische Routine? Kann man bei Furtado getrost vergessen.

Im Frühjahr 2016 nun kam er zu dem Schluss, dass es seinem Songwriting dienlich sei, erst einmal ein visuelles Universum zu erschaffen, das er anschließend nach und nach mit Musik füllen wollte. Zu diesem Zwecke kontaktierte er die in Berlin lebende Fotografin Rita Lino und den Filmemacher Pedro Maia und fand sich mit ihnen alsbald in Los Angeles wieder. Von dort starteten sie einen Roadtrip in Richtung Death Valley und inszenierten – beeinflusst unter anderem von Michelangelo Antonioni und David Lynch – die Geschichte eines Mannes, der in die Wüste reist, um sich im Nichts aufzulösen, also buchstäblich zu verschwinden. Sein Name: Misfit, dargestellt vom Tigerman höchstselbst. Während des Drehs schrieb Furtado morgens aus Misfits Perspektive Tagebucheinträge und abends Songs. Die Extremsituation, auf unbekanntem Terrain in glühender Hitze eine fremde, nach Selbstauflösung strebende Identität anzunehmen, konnte nicht ohne Auswirkungen auf die neuen Liedern des Tigerman bleiben. Und schnell wurde ihm auch klar, dass es nur einen Ort geben konnte, um diese Songs adäquat aufzunehmen: eben die Wüste – den Schauplatz seines Filmes, der unter dem Namen „How To Become Nothing“ mittlerweile weltweit erfolgreich auf diversen Filmfestivals läuft.

Mit Paulo Segadães (Drums & Background Vocals) und João Cabrita (sax, keys, bass & background vocals) kehrte Furtado im Dezember 2016 nach Kalifornien zurück. Das Ziel des Trios: die legendäre Rancho De La Luna, das Aufnahmestudio von Dave Catching (Mitgründer der Stoner-Rock-Band Earthlings?, Tourband-Mitglied der Eagles of Death Metal). Wie gut es sich im Herzen des Joshua Tree arbeiten lässt, hatten bereits Bands und Musiker wie Queens of the Stoneage, Kyuss, Daniel Lanois, UNKLE und Iggy Pop unter Beweis gestellt. Nun also kam der Tigerman mit seinen beiden Mitstreitern, seinen Liedern des vom Nichts besessenen Misfit und ziemlich genauen Vorstellungen, wie diese am Ende klingen sollten. Eine mächtige Wall of Sound schwebte ihm vor. Und Rock’n’Roll-Klänge, wie man sie zuvor noch nicht gehört hatte.

Die Rancho de la Luna erwies sich für ein solches Vorhaben als genau der richtige Ort. Da gab es die vielen Vintage-Instrumente, die zwar nicht alle auf dem Album landen konnten, aber allein das Anfassen inspirierte die drei Musiker, die sich alsbald vorkamen wie Kinder in einem Süßigkeitenladen. Großen Einfluss auf Furtado hatte auch das Gefühl, Teil eines lebendigen Organismus zu sein – der Wüste mit ihren seltsamen nächtlichen Geräuschen und ihrem fantastischen Panorama. Und dann die Ausflüge in die Pubs des Death Valley, die Begegnungen mit Fremden, die gemeinsamen Abendessen mit Küchengroßmeister Dave Catching in der Rancho – all das floss in die Musik ein, die live aufgenommen und mit Overdubs zu einer mächtigen Wall of Sound verdichtet wurde. In Furtados Wahlheimat Paris mischte der französische Produzent Johnny Hostile (Savages, John & Jehn) das Ganze dann noch mit dem Ziel Rock & Punk frisch klingen zu lassen. Heraus kam etwas ganz und gar Erstaunliches. Kraftvoller Rock’n’Roll des 21sten Jahrhunderts ohne jegliche Kompromisse, veredelt noch durch John Davis, der schon Lana del Rey’s Alben gemastert hatte.

Rock’n’Roll-Klänge, wie man sie vorher noch nicht gehört hat – nun, das kann schon mal passieren, wenn man die Klänge einer beherzt gespielten Gitarre durch fünf unterschiedliche Verstärker und ausgesuchte Effektgeräte jagt, ein Bariton-Saxofon zur Verstärkung hinzuholt, den Drummer beauftragt, möglichst fette Sounds aus dem Instrument herauszuholen, und auch um Bass-&-Drums-Maschinen und einen waschechten Crumar Orchestrator keinen Bogen macht.

Auf „Misfit“ gibt der Tigerman den coolen Rocker mit Punk-Attitüde und knatternder Angeber-Maschine („Motorcycle Boy“), kreiert mit „The Saddest Girl On Earth“ eine komplett irrwitzige, überaus zwingende Americana-Variante und lässt einen die Extreme der Wüstenlandschaft spüren („Red Sun“), die ihn auch zu dem majestätisch tönenden „Black Hole“ inspirierte. Einer schieren Wucht von einem Song, der einen mit dem effektvollen Wechselspiel zwischen Sound-Reduktion und -Verdichtung, zwischen Laut und Leise ansatzlos überwältigt – im Zentrum des Orkans: der singende, barmende, flehende Furtado. Der zentrale Mittelpunkt des Albums. Das Epizentrum.

Raus kommt man aus der Nummer jetzt nicht mehr. Der Tigerman hat einen am Wickel, fordert einen zum übergeschnappten Tanz unter der gleißenden Wüstensonne auf („Child of Lust“) und erhöht erneut das Tempo auf „About Alice“ exakt so treibend und dringlich, wie es sich für ein Lied gehört, bei dem es im Refrain heißt: „I need to feel alive“ , um dann mit einer ultrakurzen Song-Perle namens „To All My (Few) Brothers“ zu enden – ein letzter Gruß aus dem letzten Pub vor dem Niemandsland des Death Valley. Wobei – es gibt da ja noch die „Misfit Ballads“, vier reizvolle Bonus-Schönheiten wie aus einem Tarantino-Film, dargeboten auf den Trümmern der vorangegangenen Sound-Explosionen mit einem erstklassigen Cover ganz am Ende: Tom Waits „Tango Till They’re Sore“ in einer kunstvoll arrangierten Desert-Version.

Ist das jetzt alles noch Rock’n’Roll oder tatsächlich etwas völlig Neues? Nun, es ist The Legendary Tigerman. Und auf den lässt man sich am besten einfach mal ein und verschwindet mit ihm nicht etwa im Nichts, sondern in einem Universum, in dem es unfassbar viel zu entdecken gibt, wie z.b. auf seinem aktuellen Video zu „Motorcycle Boy“, das in Tokyo gedreht wurde, unter Mithilfe diverser krimineller Motorradgangs, die anscheinend in Japan einen dermaßen schlechten Ruf genießen, dass Red Bull Japan es ablehnte, das durch Red Bull Global weltweit lancierte Video in Japan auszustrahlen. Bizarr.



 

Quelle: Pressemitteilung melt! booking

The Legendary Tigerman - Tour in Deutschland

17/03/2019

Foto: ©Promo

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