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The Gift in Berlin - Gespräch

Foto ©Melt Booking

“The Gift”, die Band aus Alcobaça, die eine erfolgreiche Karriere hinter sich hat und sich der Welt präsentiert, brachte letzte Woche ihr neues Album raus „Altar“, produziert von Brian Eno.

Die Internationale Kritik bejubelte das Album, das wir in  Berlin am kommenden Dienstag dem 30. Mai live erleben können. Die Berlinda hat mit Nuno Gonçalves gesprochen, um mehr über das grossartige Konzert zu erfahren.

 

Nach 20 Jahre Karriere, wer ist die Band „The Gift“ und was bewegt Euch?

 

Die Lieder und die Reaktion die diese beim Publikum bewirken, muss die Hauptmotivation eines Musikers sein, denn ich glaube, dass die  grösste Kraft einer Band die Lieder sind und das was Sie den Musikern und Hörern gleichermaßen vermitteln. Und gleichzeitig die Freude daran zusammen zu sein. Wir sind eine Familie, eine Band die viele Hürden bewältigt hat, um an diesem Punkt angekommen zu sein. Wenn die Opferbereitschaft da ist, ist auch die Einigung grösser und im Fall  von „The Gift“ ist Sie extrem gross.

 

 

Wie geht Ihr damit um eine Band zu sein, die in Portugal sehr bekannt ist ,im Vergleich zu anderen Ländern wie z.B. Deutschland?

 

Bescheiden. Das ist die einzige Form damit umzugehen; man muss verstehen, dass es in der Musik noch viele Grenzen gibt und verschiedene Märkte. Gestern haben wir vor einem vollen Stadion in Leiria gespielt, in zwei Tagen werden wir  vor einem vollen Saal in London spielen, und hoffentlich in einer Woche vor einem vollen Saal in Berlin. Aber mehr als ein voller Saal, is es uns wichtig, dass die Leute kommen, weil Sie nach einem neuen Sound suchen, dass Sie verstehen , dass es hier um eine neue Band geht mit einer anderen Art von Musik.

 

Wie erlebt Ihr das Singen auf Portugiesisch und auf Englisch? Wie kam es dazu auf Englisch zu singen?

 

Wir singen auf Englisch, weil die Mehrheit der Musik die wir früher hörten, genauso wie jetzt auf Englisch ist. Man muss die Musik nicht ohne Grund mögen, nur um den Puristen zu gefallen wegen der Sprache. Ich finde es viel wichtiger sich nicht nur wegen der Sprache von Portugal inspirieren zu lassen. Ich glaube wir würden nicht genauso klingen, wenn wir keine Portugiesen wären. Wenn wir z.B. Deutsche wären würden wir auch anders klingen, egal ob wir auf Englisch singen. Und das ist es was zählt. Natürlich gibt es einen direkten oder indirekten Einfluss der Musik die wir damals gehört haben, die war auf Englisch, und so kam es dazu. Genauso wie wie in 2006  beim ‘Fácil de Entender’ wo ich ein Gedicht auf Portugiesisch geschrieben habe. Es gibt keine Regel die uns sagt, wir machen nur dies oder das.

 

Und welche Referenzen sind das? Kannst du uns Beispiele geben?

 

Heutzutage gibt es nicht “Die” Band, es gibt Bewegungen, Lieder. Die Musikindustrie erlebt eine grosse Expansion. So gross, dass wir nicht nur eine Band nennen können. Aber wir mögen Bands wie Radiohead, Portishead, früher Depeche Mode, The Cure; Wir kommen aus dieser Generation die diese Bands hörten, die eine ganz spezielle Musik spielten, und trotzdem in großen Stadions gespielt haben, was heute undenkbar wäre. In letzter Zeit sind uns z.B. Arcade Fire wegen Ihrer aussergewöhnlichen Arbeit aufgefallen wie aber auch LCD Sound System und Grizzly Bear, die wir sehr gerne mögen. Und dann gibt es natürlich auch spontane Lieder die gut zu uns passen.

 

Wie würdet Ihr Euer neues Album “Altar” beschreiben?

 

Es ist von weitem das beste Album von ‘The Gift’. Es ist eine Platte mit fantastischen Liedern mit einer großartigen Produktion von Brian Eno, was uns eine neue Dynamik gebracht hat, eine neue Form die Musik zu betrachten, insbesondere im Studio mit tollen Mixen von Flood.

Wir sind sehr stolz dieses Album live zu spielen. Glücklicherweise wurde es auch von der Kritik weltweit gut angenommen und das freut uns sehr. In Portugal ist es wahrscheinlich das Album von „The Gift“, dass sich die meiste Zeit auf Nummer eins gehalten hat – 4 Wochen. Das bedeutet, dass das Publikum aufmerksam ist und nicht nur das banale sucht.

 

Wie war es mit Brian Eno zusammen zu arbeiten?

 

Die beste Erfahrung von ‘The Gift’ bis jetzt. Er bringt alles auf ein höheres Niveau, wir haben sehr entspannt gearbeitet, miteinander, ohne ein Glas zwischen der Band und das Studio; wir waren sehr gut gelaunt , es hat richtig Spass gemacht. Und das Genie von Brian Eno erleben zu dürfen hat natürlich grosse Inspiration hervorgerufen. Täglich um 8:30 aufzustehen, um mit Brian Eno zu arbeiten ist wie ein Kindheitstraum der sich verwirklicht hat. Wir haben viel Selbstbewusstsein gewonnen, denn wenn Brian Eno mit uns arbeiten will, dann können wir nicht so schlecht sein (lacht). Und es entsand eine tolle Chemie. Er hat nicht nur das Album produziert, sondern auch in verschiedenen Liden mitgewirkt wie z.B. in der ersten single ‘Love without Violins’. Besser geht nicht. Man kann sagen, es gibt nicht viele Bands auf der Welt die Brian Eno quasi als fünftes Element bei der Band gehabt haben.

 

Kennt Ihr Berlin?  Wie seht Ihr die Stadt? Was für ein Publikum erwartet Ihr?

 

Das letzte Mal waren wir in Berlin in 2006 während der EM. Wir haben an einem Ort gespielt, wo das Viertelfinale gezeigt wurde. Es war eine sehr interessante Zeit in unserer Karriere. Jetzt ist es anders. Wir erwarten eine entwickelte Stadt. Damals hat uns der Ostteil sehr fasziniert. Wir haben uns die Location angesehen, wo wir spielen werden. Es wird grossartig. Wir hoffen, dass sich der Saal füllt, damit wir später in einer grösseren Halle spielen können. Was ich aber am wichtigsten finde, ist, dass alle die „The Gift“ mögen, den anderen Bescheid geben , nach und nach. So hat es in Portugal funktioniert und so wird es zum grossen Teil auch im Ausland sein. Vor allem jetzt mit den sozialen Medien, kann man viele Menschen erreichen.Damals noch zu Schulzeiten, war es von jedem einzelnen abhängig. Heute kann man tausende auf einmal erreichen. Es muss eine Art Militanz in der Musik von ‘The Gift’ herrschen, damit die Deutschen, die Engländer oder die Franzosen portugiesische Musik hören können, nicht nur Fado.  Leider ist die portugiesische Musik sehr stark vom Fado abhängig. Ich denke es wird Zeit, zu zeigen, dass wir auch moderne Musik in Portugal spielen.

 

Was können wir von Eurem Konzert erwarten?

 

Es wird ein Konzer basierend auf das neue Album ‘Altar’ natürlich aber auch mit einigen älteren Sachen. Nach 20 Jahren Karriere haben wir genug Bewegungsraum. Es wird sehr vibrierend sein ,mit einigen Tanzmomenten, aber auch einige ruhige Momente. Aber vor allem wird es ein sehr solider Auftritt – wir sind 7 Musiker auf der Bühne. Meiner Meinung nach ist die grösste Stärke der Band die Präsenz und die Stimme von Sonia, die immer besser wird. Sie hat sehr viel Elan und wie ich immer sage mit Ihrem Ego an der richtigen Stelle um tolle Konzerte zu geben.

 

Gibt es eine neue Bewegung der Portugiesischen Musik in der internationalen Szene?Dieses Jahr wart Ihr in Groningen, Austin, und spielt in verschiedenen Orten. Wie habt Ihre diese grosse professionelle Veränderung erlebt?

 

Wir sind der Meinung , dass díeses neue Album “Altar” von Brian Eno produziert, nicht nur in Portugal bleiben sollten. Heutzutage um Erfolg im Ausland zu erlangen, muss man auf einige Dinge in Portugal verzichten. Und ich glaube, dass nicht alle Bands Lust darauf haben. Denn es ist toll in Berlin, Groningen, Austin zu spielen, aber jemand muss für die Flüge, Unterkunft etc bezahlen. Es gibt keine finanzielle Unterstützung dafür. Ich möchte gerne daran erinnern, dass Portugal eine konstante Unterstützung für Kino, Mode und Weine hat, aber die Musik bleibt dabei auf der Strecke. Aber ich denke diese Tendenz muss sich zwingen ändern, weil wir schon seit Jahren sagen, dass man diesen Panorama ändern soll. Z.B. zu den Zeiten von „ABBA“ war Musik das zweitmeistverkaufte Produkt Schwedens. Also wenn es z.B. 15 „The Gifts“ geben würde, könnte sich das lohnen. Zusammenfassend: dieses Album durfte nicht an der portugiesischen Grenze bleiben, es musste rauskommen. Wir haben entschieden zu investieren und mit allen Mitteln das Beste daraus zu machen, damit wir dieses großartige Album nicht nur den Portugiesen zeigen dürfen.

Interview: Tiago Pinto Pais


Übersetzung: Miguel Schältze Raposo

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Tiago Pais

In Leiria geboren, lebt seit 7 Jahren in Berlin. Tiago hat einen Abschluss in Management von der Universidade Nova de Lisboa. Er Wohnt in Kreuzberg, sein beliebte bezirk, und ist seit Juli 2016 der Präsident von Berlinda. Er.schreibt manchmal für Berlindas Magazin.

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