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"Portugal Mon Amour", von Ruben Alves (2013) - von Teresa Prata

Foto: "La Cage Dorée" / "Portugal Mon Amour", Ruen Alves ©Promo

 

Zum Schreien komisch und intelligent, “Portugal, mon amour” ist eine Hommage an portugiesische Migranten und eine Verbeugung vor nationalen Traditionen Portugals.

 

Das Ehepaar Maria (Rita Blanco) und José Ribeiro (Joaquim de Almeida) stammen aus Portugal und leben seit ungefähr 30 Jahren in Frankreich. Sie arbeitet als Pförtnerin in einem der besten Pariser Viertel und er im Baugewerbe. Als sie einen Brief mit der Nachricht erhalten, dass sie das Gut der Familie erben sollen, und die langersehnte Rückkehr nach Portugal greifbar nahe rückt, scheint für einen Augenblick alles perfekt. Aber noch bevor sie es ihnen selbst mitteilen können, verbreitet sich die Nachricht wie ein großes Geheimnis unter ihren Freunden, Nachbarn und Arbeitgebern, die alles daran setzen, sie zum Bleiben zu überreden. Dabei bemerken sie, was sie über all die Jahre geschaffen haben.

 

Durch und durch portugiesisch, ist „Portugal Mon Amour“ vor allem eine brillante und intelligente Komödie, der es gelingt, Humor – mit perfektem Timing erzählt – mit kulturellen Anspielungen zu kombinieren. Wenn es zunächst so scheint, als wollte sie uns nur ein herzhaftes Lachen abringen, entpuppt sie sich als weit tiefgründiger. Sie schafft, dass die portugiesische Bevölkerung wohlwollend auf die Migranten und was sie mit sich bringen schaut, aber auch, dass die Gastgeber sie etwas länger betrachten, um zu erkennen, wer sie sind und wo sie herkommen.

 

Dem französisch-portugiesischen Regisseur Ruben Alves ist eine Parodie für ein breites Publikum gelungen, die keineswegs platt ist. Er weiß, wie man mit all den Klischees spielt, die den Migranten anhaften, und gleichzeitig lässt er uns erkennen, dass viele dieser Klischees, die uns immer auch etwas peinlich sind, schließlich Bestandteil unserer Identität sind. So führt er uns den fleißigen, duldsamen Arbeiter vor Augen, konservativ, mit Familiensinn und eine „gute Seele“, aber er zeigt auch, wie das Gastland, in diesem Fall Frankreich, ihn betrachtet – von außen und ohne wirkliche Kenntnis der portugiesischen Kultur und Gesellschaft. Sie verwechseln Salazar mit Alcazar, Tulpen mit Nelken und denken, das Portugiesen Gazpacho mögen.

 

Der Film überzeugt als Ganzes:  Drehbuch, Besetzung, Schnitt, Musik und Kamera. Die Leistung von Rita Blanco ist herausragend. Ihr gelingt die Verkörperung der „portugiesischen Mutter“ mit der gesamten Palette von Gefühlen: Liebend, selbstlos, pragmatisch, eine Arbeiterin mit großem Familiensinn.

 

Der Fado „Prece,” der einzige Fado, der im Film interpretiert wird, spiegelt das geheime Verlangen vieler Auswanderer und zeugt von der Sorgfalt, mit der die Musik ausgewählt wurde: “Das mãos de Deus tudo aceito / Mas que eu morra em Portugal” (Aus Gottes Hand ertrage ich alles/ Aber ich möchte in Portugal sterben). Außerdem hervorheben muss man die Musik aus den Händen von Rodrigo Leão, ein Komponist mit einzigartiger Karriere, der mit dabei war bei einigen der wichtigsten Momente in der portugiesischen Musikszene nach den 1980ern (Sétima Legião und Madredeus).

 

Ich hoffe, dass sich das deutsche Publikum auf unsere Kultur einläßt und den Kinosaal verläßt mit dem Wunsch, sie besser kennenzulernen.

 

 

Portugal Mon Amour (2013)

 

Regie: Ruben Alves / Drehbuch: Ruben Alves, Hugo Gélin, Jean-André Yerles / Kamera: André Szankowski / Schnitt: Nassim Gordji Tehrani / Bühnenbild: Maamar Ech-Cheikh, Paulo Routier / Musik: Rodrigo Leão / Darsteller: Rita Blanco (Maria Ribeiro), Joaquim de Almeida (José Ribeiro), Roland Giraud (Francis Cailaux), Chantal Lauby (Solange Cailaux), Barbara Cabrita (Paula Ribeiro), Lannick Gautry (Charles Cailaux), Maria Vieira (Rosa) / Produktion: Zazi Films (França)

 

  

 
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Teresa Prata

Teresa Prata ist Regisseurin und Drehbuchautorin, die ihre Ausbildung an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin absolvierte. Ihr Spielfilm „Terra Sonâmbula” (Sleepwalking Land, 2007) auf der Grundlage des gleichnamigen Romans von Mia Couto war auf mehr als 40 Festivals und lief sowohl in Europa als auch in den USA. Sie lebt und arbeitet in Berlin und Lissabon. 

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