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Im “Nachtzug nach Lissabon” wird Fado gehört

Foto: Maria Carvalho. Foto © Tiago Mansilha

In Lissabon wollte man unbedingt Jeremy Irons treffen. Sehen kann man das Resultat auf der Berlinale. Das vom dänischen Regisseur Billie August verfilmete Buch “Nachtzug nach Lissabon” feiert am kommenden 13. Februar Premiere auf der Berlinale. Gedreht wurde der Film in Portugal und zu den Schauspielern zählen zum Teil auch bekannte portugiesische Persönlichkeiten, wie zum Beispiel Beatriz Batarda oder Nicolau Breyner. Das Trio Fado aus Berlin hat sich der Gruppe angeschlossen und zu diesem Anlass mehrere Filmmusikstücke komponiert.

Maria Carvalho, die weibliche Stimme des Trio Fado, hat den Text geschrieben.

Maria lebt schon seit vielen Jahren in Berlin und hat mit dem Fado einen Weg gefunden, um ihren Wurzeln nahe zu bleiben. “Ja, der Fado ist meine ´Lösung´”, sagt sie. 

Als sie begonnen hat Fado zu singen, war ihre Bühne  ein einfaches portugiesisches Restaurant in der deutschen Hauptstadt. Der Weg von dort bis zu Auftritten im Haus der Kulturen der Welt, in der Passionskirche oder in der Hochschule der Künste in Berlin war ein langer Reifeprozess, der aus einem kleinen Spaß heraus entstanden ist. Die Einladung zum Auftritt als Filmband des Films von Billie August kam in einer Zeit, in der das Trio Fado bereits ein bekannter Name für portugiesischen Fado in Deutschland war.

Fado steht häufig als Synonym für Schicksal. Aus Maria Carvalhos Sicht ist Fado jedoch “sehr viel komplexer als das”. Man singt nicht einfach über Dinge, die man nicht hat und die Leid hervorrufen. Man singt ebenfalls über das wichtigste Gefühl, das es gibt – über die Liebe. Über die Liebe zu einem Mann oder einer Frau, über die Liebe zur Familie oder zu den Menschen, die uns umgeben.

“Es ist nie zu spät”, ist der Titel des Musikstücks, das wir im Film hören und wurde an der Person Jeremy Irons angelehnt – dem Literaturprofessor, der sein sicheres Leben als Lehrer in der Schweiz aufgibt nachdem er ein Mädchen, das von einer Brücke springen wollte, rettet. In der roten Jacke, die das Mädchen hinterlassen hat waren zwei Zugfahrkarten nach Lissabon und ein Buch des Arztes Amadeu Prado, dessen Komplexheit das Interesse des Professors weckte. “Wer ist dieser Mann?”, fragte er sich. Und diese Frage wird im Laufe des Films, parallel zu einer Selbstfindungsreise, aufgeklärt. Maria Carvalho  fasst den Film auf folgende Weise zusammen: “Im Film wird nicht viel Wert auf Zeit, auf  Emotionen gelegt… und das ist auch im wirklichen Leben oft so. Mein Text handelt von der Suche und von dem Teil in uns, der noch nicht behandelt wurde und der sehr wichtig ist. Es gibt jedoch immer auch ein Moment im Leben, in dem wir Mut haben alles zu ändern.”

Zum Abschluss, und obwohl er keinen direkten Bezug zum Film hat, führte die Beziehung zwischen Portugal und “Nachtzug nach Lissabon” zu einem Gastauftritt des Fadiosängers Telmo Pires bei der Premiere in Berlin.

Text: Tiago Mansilha

Übersetzung: Rita Raimundo

 

  

 
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