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Mayra Andrade: „Alles fühlt sich für mich intensiver an, wenn ich kreolisch singe“

Foto: Mayra Andrade © Vanessa Filho

Mayra Andrade ist die schönste Stimme von den Kapverdischen Inseln, ein Ort, der zum Herzen führt, egal wohin Sie gehen.

Nach ihren Alben „Navega“, „Storia, Storia“ und „Studio 105“ veröffentlichte sie Ende vergangenen Jahres ihr neues Album  „Lovely Difficult“. Eine CD, die sich von den ersten Alben insofern unterscheidet als dass sie ihre Reife und Entwicklung innerhalb des pop tropical widerspiegelt.

Dank ihrem eigenen Stils und auch ihrem besonderen Weg (welcher sich in der kapverdischen musikalischen Landschaft unterscheidet) eroberte sie bereits viele Bereiche der Welt mit ihrer Musik. Jetzt ist die Zeit gekommen auch Berlin zu erobern. Auf dem Festival Wassermusik – Lusofonia im Haus der Kulturen der Welt.

BERLINDA sprach mit der Künstlerin über ihr letztes Album, ihre Leidenschaften jenseits der Musik und natürlich über Kap Verde. Lesen Sie hier das komplette Interview.

 

Berlinda (B): Wie würdest du „Lovely Difficult“ beschreiben?

MAYRA ANDRADE (M.A.): Dieses Album entstand aus einem sehr natürlichen Bedürfnis heraus, meine Grenzen zu erweitern. Ich lebe seit 12 Jahren in Paris und das ist mein drittes Album mit eigenen Kompositionen. Die Idee war es Platz bzw. Raum für musikalische Begegnungen zu schaffen, von denen ich in den letzten Jahren umgeben war. Zum einen ist es kapverdische Musik (weil ich aus Kap Verde komme. Demnach sind einige Lieder der CD in kreolisch gesungen) und zum anderen würde ich dieses Album, im Vergleich zu den vorherigen, moderner und weltoffener beschreiben. Man hat es sogar “tropical pop” bezeichnet.  Das war die Idee, auch wenn sie schwer zu definieren ist.

B: Warum wähltest du den Namen „Lovely Difficult“?

M.A.: Es handelt sich dabei um einen Spitznamen. Mein Ex-Freund sagte immer ich sei schön (lovely) aber auch schwierig (difficult)… außerdem ist es ein sehr persönliches Album, in dem ich mehr über Gefühle und meine Erfahrungen in Paris zum Ausdruck bringe. Ich dachte es wäre toll dem Album ein Spitznamen zu geben und dadurch dass das Album in England aufgenommen wurde und die Engländer das Wort „lovely“ häufig nutzen, hielt ich es für eine gute Idee.

B: Wie nehmen die Leute das Album an?

M.A.: Die positive Reaktion der Leute war sehr überraschend, vor allem auf Kap Verde, wo ich ursprünglich befürchtete, dass meine Auswahl nicht so einen großen Anklang fände… aber es wurde sehr gut angenommen. Die Herausforderung war, dass mich die Leute trotzdem immer noch erkannten. Und wir haben es geschafft. Sie sagen mir „das bist du aber etwas anders…das bist du aber noch irgendeine Sache mehr!“ und das macht mich glücklich.

B: Bis auf „Rosa“ handeln all ihre letzten Arbeiten von Liebe. Wieso?

M.A.: Das ist ein Zufall. Es war eine Journalistin, der es auffiel… mir war das nie bewusst, aber es ist gut so. In „Lovely Difficult“ finden wir die Wörter „Love“ (Liebe) und „Cult“ (Kult), der Kult der Liebe. Das sind sehr schöne Zufälle, die zusammen funktionieren.

 

B: Zeigst du uns durch das Singen in Englisch oder auch Französisch eine Form deiner Universalität?

M.A.: Um ehrlich zu sein, denke ich dass mir kreolisch mehr Türen öffnete als Englisch, vielleicht liegt es daran, weil kreolisch meine Muttersprache ist und weil ich in kreolisch alles stärker zum Ausdruck bringen kann. Die Musik, die ich auf Englisch oder Französisch singe, waren Vorschläge, die mir gefielen. Die Idee dieser CD war es nicht Grenzen der Sprache zu ziehen, sondern sie vielmehr zu verschieben. Letztendlich liebe ich die Musik und ich werde nicht aufhören zu singen, nur weil sie auf englisch ist.

B: Was hast du dir für das Festival: Wassermusik – Lusofonia in Berlin überlegt?

M.A.: Ich werde vorrangig Lieder meiner letzten CD singen, aber auch Lieder der anderen CDs, die Meilensteine meiner Karriere darstellen, werden dabei sein. Die Leute werden es erkennen und mögen. All das mit neuen Arrangements und einer neuen Band, auf die ich sehr stolz bin. Wir werden Spaß haben.

B: Findest du, dass diese Art von Festivals wichtig ist, um zu zeigen welche Musik die portugiesischsprachige Welt bietet?

M.A.: Bis das Gegenteil bewiesen ist, denke ich, dass Musik das beste Mittel ist um Personen zusammenzubringen und um ihnen die Kultur eines Landes und das Land selbst zu zeigen. Ich kenne beispielsweise Leute, die Kap Verde kannten. Sie waren allerdings von der Musik so berührt, dass sie entschieden dorthin zu reisen. Lusofonia, oder die lusophonische Kultur muss, meines Erachtens, über die eigenen Grenzen hinausgehen.

B: Von welchen Namen der portugiesischsprachigen Musik bist du momentan begeistert?

M.A.: Ich mag António Zambujo sehr gern. Aber auch Ana Moura und andere Sängerinnen, die ich genauso atemberaubend finde, wie Mariza. Ich mag Camané, höre aber auch die CDs von Bernardo Sassetti.

B: Während deiner Kindheit lebtest du in Deutschland. Ist es etwas besonderes für dich zurückzukommen und in diesem Land aufzutreten und zu singen?

M.A.: Ich lebte in Deutschland (in Bonn) von 11-14 Jahren und das war eine wichtige Zwischenstation in meinem Leben. Obwohl ich kein Deutsch spreche, weil ich französische und belgische Schulen besuchte, ist es dennoch etwas besonderes für mich in Deutschland zu singen. Ich sang schon in einem Theater, das sich direkt neben dem Haus befand, in dem ich damals wohnte. Dort sah ich einige Konzerte von Künstlern, die ich bis heute bewundere, wie beispielsweise Cesária Évora, Carlinhos Brown, Daniela Mercury….

B: Du hast oft Kollaborationen mit unterschiedlichen Künstlern und Künstlerinnen auf deinen CDs. Macht es Spaß mit Talenten zusammenzuarbeiten?

M.A.: Ich glaube es gibt keine andere Art, Musik zu machen. Die Musik selbst verursacht Begegnungen. Auf diese Art und Weise hab ich viele Freunde gefunden, die Musiker, Komponisten bzw. Sänger waren… In jedem kreativen Prozess gibt es einen Moment der Einsamkeit. Vor bzw. nach dieser Einsamkeit, findet man sich kurz in einem Moment der Vereinigung mit anderen wieder. In meinem Fall, lebe ich von dem, was mir andere Personen geben.

B: Du hast bereits mit diversen Stars der Musikwelt gemeinsam auf der Bühne gestanden. Was bedeutet das für dich?

M.A.: Es ist eine Freude. Es ist eine Art Belohnung, auf der Bühne mit Menschen zu stehen, die einen inspirieren. Es macht mich einfach glücklich.

B: Welche Musikgenre hörst du normalerweise?

M.A.: Das ist immer sehr schwer zu beantworten, weil ich eigentlich alles höre… von world music, über Reggae bis hin zu HipHop und Flamenco… Die Musik, die mich begleitet, hängt oft von meiner Verfassung und meiner Gemütslage ab, daher ist sie sehr vielfältig.

 

B: Hast du neben der Musik noch andere Dinge für die du schwärmst?

M.A.: Bei meiner Familie zu sein, Zeit mit Freunden zu verbringen… auf Kap Verde zu sein. Großartige Momente mit authentischen Menschen erleben. Diese Treffen begeistern mich. Es ist ein Glück, eine Leidenschaft zu leben (die Musik) und durch die Welt zu reisen. Es sind mehr die Treffen als die Reisen, in die ich mich verliebe.

B: Gefiele es dir in die musikalische Geschichte der Kapverden einzugehen, ähnlich wie Cesária Évora?

M.A.: Es gefiele mir sehr und ich hoffe, dass das passieren wird. Ich mache Dinge, um stolz auf mich sein zu können. Aufrichtig und ehrliche Musik zu machen ist sehr wichtig. Ich möchte später mit Stolz auf meine Arbeit zurückblicken können. Für mich ist es ein Privileg aus einem Land zu sein, in dem Musik eine wichtige Rolle spielt. Viele Leute beziehen sich auf die Kapverden, indem sie über die Musik sprechen. Das ist, wie ich finde, eine sehr schöne Tatsache und natürlich ist es mir eine riesige Freude den Leuten zu helfen, die mein Land durch meine Musik entdecken.

B: Welche Empfehlungen hättest du, würdest du nach Ratschlägen für eine Reise auf die Kapverden gefragt?

M.A.: Ich würde von den Stränden abraten, weil es großartige Strände in vielen Gegenden gibt und die Kapverden sind so klein, das es unmöglich ist, den Strand nicht zu sehen. Von den zehn Inseln, finde ich vier für einen Besuch empfehlenswert: Santiago (etwas ganz besonderes…es ist die Insel von der ich komme), Fogo (eine Insel mit einer sehr eindrucksvollen regionalen Kultur), Sao Vicente (dort befindet sich Mindelo, die Insel von der Cesária Évora stammt) und von dort aus mit dem Boot nach Santo Antao (eine der bergigen und schönsten Inseln des Archipels). Auf diesen vier Inseln lassen sich vielfältige Landschaften, exzellentes Essen und schöne Dinge voller Charme finden.

B: Wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus?

M.A.: Ich denke nicht viel über die Zukunft in Bezug auf die Musik nach. Ich bin eine rationale Person, die viel Respekt vor der Musik hat und ich glaube, dass mein Schicksal das Singen sein wird. Ich glaube daran so stark, dass ich aufgehört habe große Pläne zu machen. Ich lasse mich gern von meinem Glück und von dem Zufall lenken. Ich habe bisher noch keine Idee, wie meine nächste CD aussehen oder klingen wird. Dennoch hab ich in diesem Jahr einige sehr interessante Projekte, darunter eine Hommage an Cesária Évora, die in Mexiko mit anderen kapverdischen Künstlern – die ich schätze – produziert wird. Ich möchte diese Moment genießen.

 

Konzert:

Freitag, 25. Juli 2014, 20:30

Haus der Kulturen der Welt

John-Foster-Dulles-Allee 10

10557 Berlin

Text: Fabiana Bravo

Übersetzung: Patrick Franke

 

 

  

 
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Fabiana Bravo

Wurde 1987 auf der Insel Terceira, Azores, geboren. Sie hat ein Studium für Kommunikationswissenschaft an der Universidade Técnica de Lisboa, sowie ein Masterstudium in Neue Medien und Web-Praxis an der Universidade Nova de Lisboa abgeschlossen. Seit Mai 2014 lebt und arbeitet sie in Berlin.

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