MAGAZIN

Dj Grace Kelly: "Meine Arbeit ist ene Art, die Kultur meines Landes zu präsentieren"

Foto: Grace Kelly. @ Berlinda.org

Geboren in Bahia (Brasilien), lebt Dj Grace Kelly seit 1996 in Berlin. Am Tag des großen WM-Finales wird sie im Rahmen des Kulturfestivals Copa da Cultura 2.0  -einer Reihe von Live- Konzerten an WM-Spieltagen im Haus der Kulturen der Welt  -das Abschlusskonzert  der Reihe geben.

In der entspannten Atmosphäre des „Heimlich“ - jenes Cafés, das sie im Ballhaus Naunynstraße betreibt - sprachen wir über ihre Herkunft, ihre Arbeit und die Copa da Cultura. Lesen Sie hier das gesamte Interview einer Künstlerin, die näher kennenzulernen sich lohnt.

 

BERLINDA: Sie sind in Bahia, Brasilien, geboren. Ist Ihre Herkunft immer in Ihrer Arbeit anwesend?

GRACE KELLY: Die Herkunft ist wichtig und ist immer da, weil ich das pflege und auch weil ich mit brasilianischer Musik arbeite. Ich bin immer auf der Suche nach brasilianischen Neuigkeiten im Musik- und Kulturbereich.

 

B: Sehnen Sie sich nach Brasilien?

GK: Ich sehne mich nach meinen Freunden und im Allgemeinen nach der Natur, die sehr schön ist. 

 

B: Warum haben Sie Berlin zum Leben gewählt? 

GK: Ich habe Agrarwissenschaften studiert und wollte aus Brasilien weg. Es gab über die Universität die Möglichkeit, nach Frankreich zu gehen. Das hat aber leider nicht geklappt, weil ich kein Stipendium bekommen habe. Damals habe ich meinen Bruder gefragt, der bereits in Berlin lebte, ob ich ihn besuchen könnte. Und so kam es... ich bin gekommen, geblieben und DJ geworden.

 

B: Inspiriert Berlin Sie?

GK: Ja, sehr. Berlin ist eine sehr “hipste” Stadt mit einer sehr ausgeprägten Kulturmischung. Ich entdecke selber täglich Neues, Menschen aus den unterschiedlichsten ethnischen Gruppen, denn hier begegnet man Leuten aus der ganzen Welt. Zum Beispiel habe ich hier die orientalische Musik für mich entdeckt durch Live-Konzerte, die ich besucht habe. Diese Entdeckung war mir sehr wichtig und prägt meine Arbeit bis heute. Darüber hinaus ist Berlin eine Stadt, die sich ständig verändert und vielleicht deswegen immer Neues zum Entdecken anbietet.

 

B: Wer lässt sich von Ihren Konzerten am meisten begeistern? Die Brasilianer?

GK: Es kommt auf die Party an. Am Anfang meiner Karriere, als ich ausschließlich brasilianische Musik spielte, waren es eindeutig die Brasilianer. Danach fing ich aber an, Musik aus der ganzen Welt zu spielen, und von da an habe ich ein buntes Publikum gefesselt.

 

B: Was war der „Mundo Mix – World Wide Dance Music“?

GK: Es war meine Party, die ich zu den Zeiten von Radio Multikulti gemacht habe. Jeden zweiten Samstag im Monat präsentierte Mundo Mix lokale und internationale Bands und DJs. Ich benutze heute noch diese Bezeichnung (Mundo Mix), weil ich Musik aus der ganzen Welt spiele. 


 

B: Was war Ihr Ziel mit der Sendung „Selektor – Brazil Beats“, ebenfalls im Radio Multikulti?

GK: Als ich diese Sendung gemacht habe, war das Ziel, brasilianische Musik zu präsentieren und etwas von Brasilien und den brasilianischen Musikern bekannt zu machen. 


 

B: Inwiefern ergänzt die Teilnahme an der Gruppe „Rainhas do Norte“ Ihre Arbeit?

GK: Zur Zeit sind bei „Rainhas do Norte“ sieben Frauen (eine Deutsche und sechs Brasilianerinnen). Es ist eine Arbeit, die ich sehr mag.  Wir haben eine CD mit eigenen Kompositionen über das Recht der Frauen auf Selbstbestimmung und das Recht auf freien Ausdruck der künstlerischen, kulturellen und sexuellen Neigung gemacht. Wir nutzen die Musik, um  diese Botschaften weiterzugeben.

 

B: Fühlen Sie sich als eine Art Kulturbotschafterin?

GK: Ich denke, ja. Meine Arbeit ist eine Art, die Kultur meines Landes zu präsentieren. Wenn ich brasilianische Musik spiele oder Partys und brasilienspezifische Veranstaltungen organisiere, ist es eine Art, Brasilien kulturell zu repräsentieren.

B: Die Weltmeisterschaft wird sowohl in Brasilien als auch im Ausland stark kritisiert. Trotzdem wird sie  stattfinden. Können Veranstaltungen wie die Copa da Cultura 2.0  in diesem Zusammenhang positiv zur  Bekanntmachung der brasilianischen Kultur beitragen?

GK: Unabhängig von der Polemik zur WM ist diese Art Veranstaltung ohne Zweifel eine gute Möglichkeit, um die Arbeit der brasilianischen Künstler und Künstlerinnen bekannter zu machen.  Meiner Meinung nach werden die Leute kommen, nicht nur wegen des Spiels, sondern auch wegen der Künstler. Das Haus der Kulturen der Welt ist ein wahres Kleinod, ein Ort, wo man Kontakt zu diversen Kulturen und Ländern aus der ganzen Welt haben kann. Beispielsweise habe ich dort Musikgruppen aus Acre kennengelernt [der westlichste Bundesstaat Brasiliens], die ich in Brasilien niemals hätte sehen können.

 

B: Mögen Sie Fußball?

GK: Nein, und zwar noch nie. Ich habe  nur die Spiele der WM mal geguckt und bin einmal in einem Fußballstadion gewesen. Daher halte ich mich nicht für einen Fußballfan.

 

B: Passen Ihrer Meinung nach Fußball und Musik zusammen?

GK: Ja, eigentlich passt Musik zu allem. Und selbstverständlich ist für mich Musik viel besser als Fußball! Die Musik hilft alles, was hinter dem Fußball ist, ein bisschen zu vergessen. Diese Veranstaltung [Copa da Cultura 2.0] bietet zweierlei: die Leute gehen hin wegen des Fußballs und wegen der Musik. Ich denke aber, da das Festival im Haus der Kulturen der Welt stattfindet, liegt der Schwerpunkt vorwiegend auf der Musik.

 

B: Welches Finale würden Sie gerne sehen?

GK: Ich wünsche mir, dass Uruguay gewinnt, weil ich das Land sehr mag. Ich will nicht, dass Brasilien gewinnt, weil wir schon genügend fußballbezogene Aufmerksamkeit haben und angesichts des aktuellen politischen Moments wäre es nicht gut für uns, wenn Brasilien gewinnen würde. Das könnte betäubend wirken und die Leute würden einfach die kritische Situation des Landes vergessen.

B: Bei den meisten Veranstaltungen von Copa da Cultura 2.0 werden die Konzerte von Künstlerinnen gegeben, wobei der Fußball ein eher männerbezogener Sport ist. Finden Sie diese Tatsache irgendwie merkwürdig?

GK: Auf jeden Fall. Fußball hat ja einen starken „Macho“-Aspekt.. Es gibt nur ganz Wenige, die sich für Frauenfußball interessieren. Der Kontrast zwischen dem Spiel der Männer und der  Musik/den Konzerten der Frauen ist sehr interessant.  Es passt gut zusammen und hilft, den Testosteronspiegel zu brechen.

 

B: Wie denken Sie über die vielen Demonstrationen und Kritiken gegen die WM (in der Presse oder sogar den Angriff auf die Brasilianische Botschaft in Berlin...)? Welche Gründe haben diejenigen, die diese WM kritisieren? 

GK: Einer der Streitpunkte ist die Tatsache, dass man dafür das Geld verwendet, das in wichtige Bereiche wie Gesundheit und Bildung fließen sollte. Darüber hinaus sind die Befehle der FIFA sehr umstritten. Beispielsweise wird die Festa Junina (das traditionelle brasilianische Junifest) in den WM-Städten dieses Jahr nicht stattfinden, weil die FIFA das nicht will. Die WM scheint wichtiger zu sein als die eigenen Traditionen und die eigene Kultur.

 

Klar, Brasilien hat sich selbst für dieses Event beworben, das Volk wurde aber nicht gefragt. Brasilien wird als Land des Fußballs gesehen und so ist es eigentlich gut, dass die Welt sehen kann, dass viele Menschen aus dem “Fußball-Land” die Art und Weise, wie das Ganze abläuft, schlicht nicht mögen. Vielleicht hilft das, über die Struktur der FIFA nachzudenken. All diese kritischen Punkte zerstören den Geist und die Party, die Fußball angeblich symbolisiert.

 

Persönliche Webseite: www.djgracekelly.com

 

Sonntag, 13. Juli 2014

20 Uhr: Rainhas do Norte

23 Uhr Dj Grace Kelly

Eintritt frei

 

Haus der Kulturen der Welt

John-Foster-Dulles-Allee 10

10557 Berlin

 

Text: Fabiana Bravo

Übersetzung: Ines Thomas Almeida

Lektorat: Heide Wächter

 

 

  

 
Please reload

Fabiana Bravo

Wurde 1987  auf der Insel Terceira, Azores, geboren. Sie hat ein Studium für Kommunikationswissenschaft an der Universidade Técnica de Lisboa, sowie ein Masterstudium in Neue Medien und Web-Praxis an der Universidade Nova de Lisboa abgeschlossen. Seit Mai 2014 lebt und arbeitet sie in Berlin.

Please reload

Freunde von Berlinda e.V. , Heimstr. 3, 10965 Berlin - info@berlinda.org 

BERLINDA 2019 · All rights reserved