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Aus dem Buch «Encontros por Contar, Alemanha e Portugal»

Foto: Autores do livro "Encontros por Contar, Alemanha e Portugal" © Berlinda

Das Buch “Encontros por Contar, Alemanha e Portugal” (“Erzählte Begegnungen – Deutschland und Portugal”), erschienen im portugiesisch-galizischen Verlag Orfeu, verfolgt das Ziel, Portugal das gegenwärtige Deutschland besser verständlich zu machen, indem es Vergleiche und Unterschiede zwischen diesen beiden Ländern darstellt.

Organisiert und präsentiert von Luísa Coelho, Lektorin am Instituto Camões in Berlin, richtet sich dieses Werk an das portugiesische Publikum. Es ist eine Zusammenstellung von Texten von Bodo Freund, Giselle Ataíde Lampe, Luís de Almeida Sampaio, Lutz Hoepner, Luísa Coelho, Sílvia Melo-Pfeifer, José L. Encarnação, António Cascais, Otto Lampe, Helena Araújo, Carlos Jorge Santos. Sie dienen als eine Art Guide und präsentieren eine aus ihrer Sicht realistische Perspektive auf die verschiedensten Bereiche.

Die Buchvorstellung fand am 21. Mai 2014 im Rahmen einer privaten Veranstaltung im Haus des portugiesischen Botschafters in Deutschland Luís de Almeida Sampaio statt. BERLINDA war vor Ort und lädt Sie hiermit auf eine einer kleinen Tour durch das Buch ein.

Der Ausgangspunkt

“Durch den Einsparungskurs in Portugal hat sich eine Stimmung gegen Deutschland entwickelt. Als ich nach Portugal ging haben die Menschen mir Fragen gestellt ohne sich die Antworten anzuhören, weil sie bereits auf ihre Meinung festgelegt hatten, die oftmals nicht der Wahrheit entsprach. Daran habe ich erkannt, dass es in Portugal ganz deutlich an Informationen über Deutschland fehlte”, berichtet Luísa Coelho.  Im nächsten Schritt habe ich Personen kontaktiert, die sich dazu eloquent äußern würden. Eine einfache Aufgabe, da allen diese Idee gefiel: “Jeder schrieb über Themen, die etwas mit seinem/ihrem Beruf und Interesse zu tun haben. Und die Arbeiten haben sich toll ergänzt. Die Absicht war nicht, die Idee eines perfekten Deutschlands zu verteidigen, sondern lediglich die Realität widerzuspiegeln.” Das Buch ist in vier Abschnitte aufgeteilt: 1. Geschichte und Geographie, 2. Politik, 3. Bildung und Forschung und 4. Kultur.

Die “Generation Deolinda” in Deutschland

Lutz Hoepner, Dozent für Romanistische Spraschwissenschaft am Institut für Romanistik der Humboldt-Universität, präsentiert die Sozial- und Bildungspolitik, die in Deutschland zur Jugendarbeitslosigkeit geführt hat, wie bspw. unbezahlte Praktika oder befristete Stellen. Als er dazu eingeladen wurde, einen Artikel zu schreiben, hatte Hoepner zum ersten Mal die Musik der Gruppe Deolinda gehört. Diese hat ihn dazu angeregt, über dieses Thema zu schreiben. “Es ist eine Illusion zu glauben, dass es in Deutschland keine Probleme im Bezug auf Jugendarbeitslosigkeit und befristete Stellen gebe, momentan viel diskutiertes Thema in Portugal. Und ja, es gibt hier eine “Generation Deolinda”, die aus Personen in äußerst prekären Lebensumständen besteht. Dieses Thema hat eine spezielle Bedeutung für mich, weil ich junge Kinder habe, die mit diesen Problemen zu kämpfen haben.”

 

Sich in Berlin für einen Job bewerben
Carlos Jorge Santos, Leiter der Finanzabteilung des Hotels Pestana in Berlin, stellt einen Bericht über seine persönliche Berufserfahrung aus der Sicht eines Angestellten vor. Sein Text “soll ein Weckruf für Bewerber sein. Sie sollen verstehen, wie die Dinge funktionieren, worauf sie sich einlassen, mit wem sie konkurrieren und was eine professionelle Einstellung ausmacht”, meint der Autor.

“Auf leichte Weise versuche ich die Aufmerksamkeit auf grundlegende Fehler und weniger empfehlenswerte Einstellungen zu lenken, die die Portugiesen bei Bewerbungen an den Tag legen und wodurch sie zustande kommen.” “Ich glaube, dass der Portugiese allgemein besser arbeitet als der Deutsche, sich allerdings viel schlechter “verkauft”. Der Portugiese bewirbt sich auf Stellen, für die er nicht die erforderlichen Qualifikationen besitzt, während die Deutschen, die offensichtlich die Anzeigen wirklich lesen, sich nur bewerben, wenn sie glauben die geforderten Ansprüche zu erfüllen. Sie präsentieren sich auf professionelle Art und Weise und erwecken Interesse. Dadurch schaffen sie es zu einem Vorstellungsgespräch, bei denen sie dann beweisen können, was sie “wert” sind”, meint er.

Stereotypen vs. Realität

In “Typisch Deutsch?” klärt der Diplomat Otto Lampe einige Klischees und Stereotypen über Deutsche auf, die wenig mit der aktuellen Realität gemein haben. Er stellt wahre (und überraschende) Eigenschaften von Deutschen vor, wie z. B. die Vorfreude, mit der sie jedem Ereignis begegnen, oder die Tatsache, dass sie von Natur aus gute Zuhörer sind. Dem Autor zufolge, sind Pünktlichkeit und Disziplin zwei Hauptmerkmale der Deutschen.

 

Kultur für alle

«”Esta cidade é um stress”… Animação cultural e recreativa em Berlim» von Helena Araújo, Autorin des blogs Dois Dedos de Conversa, beschreibt die deutsche Hauptstadt als “eine Stadt mit einem unglaublich großen kulturellen Angebot; und das nicht nur bezogen auf Quantität, sondern vor allem auf Qualität. Es ist außergewöhnlich.” Helena Araújo ist sich sicher, dass Berlins kultureller Reichtum es so anders und so besonders macht. Dabei betont sie, dass “es die Menschen sind, die die Stadt so anziehend macht und nicht ausschließlich die Kultur an sich. Es ist die Art und Weise, wie die Menschen mit dem kulturellen Angebot interagieren.” In dem Abschnitt zur Kultur gibt es außerdem einen Text über den Journalismus in Deutschland, geschrieben von dem portugiesischen Journalisten António Cascais. Dieser Artikel ist für all diejenigen interessant, die das System der Kommunikationsmedien in Deutschland verstehen möchten.

 

Weitere Themen

Geschichte und Geographie der beiden Länder wurden nicht vergessen. Bodo Freund betrachtet in zwei Artikeln de Entstehung der beiden Länder, ihren historischen Werdegang, geographische Lage und die Bedeutung von Religion und Politik. Dem Autor zufolge “sind diese Faktoren essentiell, um Deutschland und Portugal verstehen zu können und Vergleiche in Betracht zu ziehen, auf die man üblicherweise nicht kommt.”

In Sachen Wirtschaft lohnt es sich in jedem Fall den Artikel “O Milagre alemão – mito our realidade” von der Wirtschafstwissenschaftlerin Giselle Ataíde Lampe zu lesen. Ihr Ziel war es, “sich in ein Jahrzehnt zu versetzen und eine Vielzahl von Lösungen im wirtschaftlichen Bereich umzusetzen, die die deutsche Gesellschaft gefunden und die zu einer Förderung des Wohlstandes geführt haben.
Der Artikel «O futuro da UE visto a partir de Berlim», verfasst vom portugiesischen Botschafter in Deutschland, Luís Almeida Sampaio, betrachtet die Situation Deutschlands innerhalb Europas: wie wird die Krise wahrgenommen, welche Strategien sie zu überwinden werden verfolgt und welche Rolle spielt Portugal in diesem Kontext?

 Bildung und Forschung sind die Hauptthemen in den Texten von Sílvia Melo-Pfeifer, “Que política linguística para o ensino do Português junto das comunidades lusófonas? Reflexões a partir da Alemanha”, und José L. Encarnação, “O sistema para a inovação da Alemanha”. In letzterem präsentiert und beschreibt der Forscher, Universitätsprofessor und Leiter der Fraunhofer Gesellschaft, das System zur Innovation des Landes.

 

Kaufmöglichkeiten

Das Buch steht in der Buchhandlung Férin, Rua Nova do Almada no Chiado in Lissabon zum Verkauf. Alternativ kann es über die Seite www.orfeu.be unter der Rubrik “nossas edições” bestellt werden, mit Online-Bezahlung und Postversand. Es kann außerdem über die E-Mail-Adresse orfeu@skynet.be angefordert werden, mit Banküberweisung auf das Konto mit der IBAN: BE79 426415631133 SWIFT: KREDEBEBB und Postversand. Das Buch kostet 12 €.

 

Text: Fabiana Bravo


Übersetzung: Alexandra Berg

 

  

 
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Fabiana Bravo

Wurde 1987 auf der Insel Terceira, Azores, geboren. Sie hat ein Studium für Kommunikationswissenschaft an der Universidade Técnica de Lisboa, sowie ein Masterstudium in Neue Medien und Web-Praxis an der Universidade Nova de Lisboa abgeschlossen. Seit Mai 2014 lebt und arbeitet sie in Berlin.

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