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Brasilianische Stimmen in Berlin: Canta Brasil, das III. Treffen Brasilianischer Chöre in Deutschland

Foto: Cantadoras © Daniela Incoronato

Anlässlich des dritten Treffens brasilianischer Chöre aus ganz Deutschland am 21.04. haben wir die Leiterin des Berliner Frauenchors Cantadoras und des Brasil-Ensemble um ein Interview gebeten.

 

BERLINDA: Liebe Elisabeth, am kommenden Samstag findet in Berlin das dritte Treffen brasilianischer Chöre aus Deutschland statt, das Canta Brasil. Abends, um 19:30 Uhr, wird es ein öffentliches Konzert geben. Davor proben die Chöre ihre eigenen und auch ein paar gemeinsame Stücke. Kannst du einmal erzählen, was das Chöretreffen ist und um welche Musik es geht?

Elisabeth Tuchmann: Bei Canta Brasil handelt es sich um die Idee von Jean Kleeb, dem Chorleiter der Kölner VOZES DO BRASIL. Er hat 2008 das erste Treffen brasilianischer Chöre in Marburg organisiert. Da trafen sich neben den Kölnern der Chor CANTARES aus München unter Leitung von Lilian Zamorano und ENCANTO aus Stuttgart, geleitet von Cristina Marques.

2010 fand das zweite Treffen mit diesen drei Chören in Stuttgart statt, organisiert von ENCANTO, dem Chor der deutsch-brasilianischen Gesellschaft Baden-Württemberg. Auch das diesjährige Treffen wurde von Stuttgart aus angeregt, speziell Martina Merklinger hat dankenswerter Weise die Organisation übernommen.

 

Es geht um den Austausch der Chöre und Chorleiter, aber auch um das Bekanntmachen der brasilianischen Chormusik, die hierzulande noch relativ unbekannt ist. Das Repertoire besteht aus der sogenannten Música Popular Brasileira, ein Oberbegriff für ganz unterschiedliche Stile der populären Musik seit den 70er Jahren.

Natürlich haben auch Samba, Baião, Afoxé, Bossa Nova und Jazz einen Platz im Repertoire.

 

B: In diesem Jahr treffen sich fünf Chöre in der Samariterkirche – mehr als 100 Leute werden gemeinsam ihre Stimme klingen lassen. Was ist das spezielle an jedem dieser Chöre?

ET: In diesem Jahr kommen neben den drei bereits erwähnten Chören die zwei Berliner von mir geleiteten Chöre BRASIL-ENSEMBLE und CANTADORAS dazu. Bei ersterem handelt es sich um ein Musikschul-Ensemble aus Charlottenburg, das ich 2000 zusammen mit meinem Kollegen Guilherme Castro gegründet habe. Guilherme leitet die Band und schreibt auch spezielle Arrangements für die jeweilige Besetzung aus Instrumental-Schülern. Aktuell besteht die Band aus zwei Gitarristen, einem Bassisten und Schlagzeuger. Diese Besetzung ist auch das Spezielle des BRASIL-ENSEMBLES: mehrstimmiger Chorgesang mit Bandbegleitung.

Der brasilianische Frauenchor CANTADORAS ist 2011 als freier Chor entstanden. Nachdem ich über längere Zeit immer wieder Anfragen von mitsinginteressierten Frauen im Brasil-Ensemble abweisen musste, habe ich diesen Chor neu ins Leben gerufen. Von 1995-2009 habe ich den Frauen-Jazzchor VOCALISA in Münster geleitet, dabei Erfahrungen gesammelt für Frauenstimmen Chorarrangements zu schreiben, so lag das nah. Das Besondere dieses Chores ist der Frauenstimmen-Zusammenklang. Im Konzert begleitet uns die Gitarristin Katrin Wahl.

Von den anderen teilnehmenden Chören kenne ich bisher nur CANTARES. Ich bin 2005 spontan zu ihrem Sommer-Konzert nach München gefahren. Daraus entstand eine Freundschaft mit Lilian Zamorano. Sie hat mich später zur Workshop-Leitung ihres Chores eingeladen. CANTARES singen zwei meiner Arrangements. Sie singen vorwiegend a cappella und hat sich in den letzten Jahren mit Body-Percussion einen neuen Akzent gegeben. Lilian macht eine so kompetente und hingebungsvolle Chorarbeit, das hat mich im letzten Sommer wieder sehr begeistert!

VOZES DO BRASIL und ENCANTO kenne ich bisher nicht persönlich. Ich bin sehr gespannt und freue mich sie kennenzulernen. Jean Kleeb und Cristina Marques steuern zwei Stücke für das „Grande Final“ bei, wenn alle Chöre gemeinsam das Konzert beenden.

 

B: Erzähl doch mal bisschen aus dem Nähkästchen: Was gibt es für Legenden, Anekdoten, kurz „fofoca“ über die letzten Chöretreffen?

ET: Da ich das erste Mal dabei bin, kann ich ‚leider’ keine fofoca über die letzten Chöretreffen berichten. Ich weiß nur schon jetzt, dass mir das Zusammentreffen mit brasilianischen Kolleginnen und Kollegen gut tun wird. Es wird mit Sicherheit viel gelacht und improvisiert. Bei allem Arbeiten ist Augenzwinkern und Freundlichkeit dabei. Die brasilianische Musik lässt bei mir – als deutsche Jazzmusikerin – immer wieder Freude aufkommen!

 

B: Was hoffst du, persönlich und für deine Gruppen aus dem Treffen mitzunehmen?

ET: Als Chorleiterin und Arrangeurin erhoffe ich mir neue musikalische Anregungen, für meine Chöre die Lust auf Weiterentwicklung, die immer mit besonderem Einsatz und Engagement jedes Chormitgliedes einhergeht.

 

B: Wie wird es möglich sein, mit so vielen Leuten zu arbeiten – eine gemeinsame Stimme zu finden?

ET: Da kommen gute Vorbereitung der Chöre zuhause und engagierte Workshop-Leitung der Chorleiter zusammen. Alle Chöre haben die gemeinsamen Stücke seit einiger Zeit ‚vorgeprobt’ und werden am Samstag Vormittag im Workshop nacheinander mit den vier Chorleitern arbeiten. Wir Chorleiter singen natürlich auch selbst mit bei den Stücken der anderen!

 

B: Elisabeth, du leitest selbst seit 1988 Chöre, wie du ja gesagt hast, momentan u.a. die beiden Chöre, die am 21.4. auch dabei sein werden. Abgesehen vom Chöretreffen, was ist für dich ganz allgemein die größte Motivation?

ET: Ich bin Jazzmusikerin und es ist mir ein großes Anliegen besondere Harmonien, Rhythmen, Melodien, aber auch gute, poetische Texte zu vermitteln. Außerdem habe ich mich über viele Jahre mit der Entwicklung eines vollen und flexiblen Stimmklangs beschäftigt. Der besondere Klang, der entsteht, wenn viele zusammensingen, macht mich als Musikerin und Mensch glücklich.

 

B: Die Cantadoras sind recht international – es gibt ein paar Brasilianerinnen, aber die anderen Sängerinnen sind Deutsche, Belgierinnen, Engländerinnen, Venezuelanerinnen, Portugiesinnen, ... Wer sind diese Frauen und welche Herausforderungen gibt es bei der Arbeit mit einer solch gemischten Gruppe? Dass nicht alle Portugiesisch sprechen?

ET: Die Internationalität dieser Gruppe hat mich anfangs erstaunt. Aber dann wurde mir klar, dass die Música Popular Brasileira schon lange eine internationale Musik ist – obwohl sie auf Portugiesisch gesungen wird! Ich selber habe Sprache und Aussprache über die Musik entdeckt, dann privat Unterricht genommen bis ich schließlich nach Brasilien gereist bin. Inzwischen kenne ich viele Sänger und Sängerinnen, die zumindest die Aussprache wegen der Musik erlernen. Der Chor probt in Kreuzberg, dem Meltingpot Berlins, auch von daher kann die Internationalität erklärt werden

Viele der CANTADORAS können schon Portugiesisch und haben mehr oder weniger enge Kontakte nach Brasilien. Hier liegt die Herausforderung für mich darin, einen guten gemeinsamen Chorklang und im besonderen eine homogene rhythmische Phrasierung zu entwickeln. Das dauert erfahrungsgemäß länger. Schön ist zu sehen, wie sich die vielen Frauen gemeinsam an dieser Musik erfreuen – es gibt immer wieder viel Lachen!

 

B: Für Interessierte wäre es natürlich schön, mehr Informationen über den Chor zu bekommen und über die Möglichkeiten, auch mitzusingen. Wo kann man sich informieren?

ET: Informationen zum BRASIL-ENSEMBLE gibt es unter www.brasil-ensemble.de

und zu den CANTADORAS auf meiner Website www.etuchmann.de

 

B: Vielen Dank für das Interview und natürlich viel Spaß am Samstag beim gemeinsamen Proben und Singen!

 

Interview: Ines Thomas Almeida 

 

 

Canta Brasil

am 21.04.2012 19.30h Samariterkirche Friedrichshain


Mit
Cantares (München) Ltg.: Lilian Zamorano

Encanto (Stuttgart) Ltg.: Cristina Marques

Vozes do Brasil (Köln) Ltg.: Jean Kleeb

Brasil-Ensemble (Berlin) Ltg.: Elisabeth Tuchmann & Guilherme Castro

Cantadoras (Berlin) Ltg.: Elisabeth Tuchmann
 

 

 

  

 
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Ines Thomas Almeida

Inês Thomas Almeida wurde in der Dominikanischen Republik geboren und wuchs in Portugal als zweisprachiger und dualer Staatsbürger auf. Sie zog nach Deutschland, um an der Hochschule für Musik und Theater Rostock Gesang zu studieren. Einige Jahre nach ihrer Niederlassung in Berlin gründete sie das Online-Magazin Berlinda (2010).

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