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Das Auge des Zyklopen ist rund – wie ein Kamera-Objektiv. Wer das Auge lenkt, herrscht! Vom 8 bis 11.5.2019 um 20 Uhr in der Ballhaus Naunynstrasse (Naunynstraße 27, 10997 Berlin)

 

Zé de Paiva lässt in seinem Regiedebut am Ballhaus Naunynstraße seine Erfahrung als Schauspieler, Tänzer, Fotograf und Videokünstler zusammenfließen: In einer intermedialen Performance sucht er – gemeinsam mit der Tänzerin Nasheeka Nedsreal – die postkoloniale Bildordnung zu verzerren. Bilder legen sich auf Körper. Sie gleiten über Wände, Menschen, Dinge. Alles ist Bildträger. Die Bilder lasten, überlagern, transformieren. Was wir Wirklichkeit nennen, ist eine Collage von Bild und Materie. Bildstörung. Wer produziert die Bilder? Für wen? Für welchen Zweck? Mit Cyclops stellt der Performer Zé de Paiva die Kamera, diese omnipräsente, allmächtige Bilderproduzentin ins Zentrum – als Widerpart, als Instrument der Herrschaft und der Ermächtigung. Wer führt die Kamera, bestimmt den Ausschnitt, wer bedient den Auslöser?

 

Kameras machen sichtbar, geben Gestalt. Wer über den Apparat verfügt, entscheidet über die Art des Sehens und Gesehenwerdens. Die fotografische Praxis schafft die Hierarchie der Betrachtenden und Betrachteten. Sie ist Teil des späten Kolonialismus, der Überwachung, Kategorisierung, Verwaltung, der Objektivierung von Körpern und Menschen. Man spricht vom „Protagonisten“ und meint die Person vor der Kamera. Aber ist die eigentliche Protagonistin nicht die Person mit der Kamera, dieser artifizielle Zyklop? Ist der Rollentausch möglich? Was siehst du? Wer bist du, mein Gegenüber mit diesem Blick auf die Welt? Wie siehst du mich? Ist die Welt auf deine Perspektive eingestellt? Und wenn ich dich auf meinem Bildschirm sehe, wer bist du dann? Wer führt den Blick, wer verführt?

 

Cyclops ist ein Tanz mit Kabeln und Augen. Ein Kampf um Bewegungsmöglichkeiten. In der Performance suchen Zé de Paiva und Nasheeka Nedsreal die Aneignung, die Licht-Brechung im Dienst ihrer Perspektiven als Schwarze Protagonist*innen.

 

Zé de Paiva lebt und arbeitet als Videokünstler, Tänzer und Schauspieler in Berlin. Die Videoinstallation als interaktives Element im Bühnengeschehen bildet derzeit den Schwerpunkt seiner audiovisuellen Arbeit.

Nach seiner Ausbildung zum Fotografen nahm er ein Studium der Bildenden Künste an der Universität von São José do Rio Pardo in Brasilien auf. Er wandte sich auch dem Theater zu. 2003 wurde er Ensemble-Mitglied des Teatro Oficina unter der Leitung von José Celso Martinez Corrêa. Seit 2009 arbeitet Zé de Paiva als Tänzer und Videokünstler mit der Kompanie Grupo Oito, als Videokünstler mit der Choreografin Modjgan Hashemian, dem Regisseur Atif Mohammed Nor Hussein (zuletzt bei Walking Large, Ballhaus Naunynstraße) und als Schauspieler und Videokünstler mit der Künstlerin Grada Kilomba zusammen. Für das Ballhaus Naunynstraße dokumentiert er regelmäßig Bühnenstücke und Festivals. Er interessiert sich für die Videoinstallation als Teil des Bühnenbildes, bei dem die audiovisuellen Inhalte einen Bezugshorizont für das Tanz- und Theatergeschehen schaffen und einen Dialog zwischen Video und Bewegung eröffnen, der zwischen beiden Sprachen oszilliert und sie bisweilen miteinander verschmelzen lässt.


 

Quelle: Ballhaus Naunynstrasse

07/05/2019

Foto: © Kathleen Kunath

Cyclops: performance - Ballhaus Naunynstrasse

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