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Cachaça, feijoada, plumas e patês em Berlim

Maria-Grácia Guimarães

Fotos: © Nilda Bezerra

Gastronomische Vielfalt ist zweifellos eines der guten Dinge die Berlin zu bieten hat. Dazu zähle ich die verschiedensten Angebote: (Curry-)Wurstbuden, Imbissläden, Cafés und die Restaurants, vom günstigsten bis zum teuersten und edelsten. Es gibt Angebote für jeden Kunden und für jedes Portemonnaie, für jeden Magen, Geschmack, jede Vorliebe, Diät, Tradition, usw.

In den 90er Jahren gab es viele südamerikanische und mexikanische Restaurants in Berlin. Das einzige brasilianische Lokal hat nicht lange gehalten und war schon geschlossen, als ich hier eintraf.

Seit 22 Jahren arbeite ich in der Gastronomie. Schon in den ersten Monaten nach meiner Ankunft begann ich zusammen mit anderen, die brasilianische Küche in die Berliner Gastronomie einzuführen.

Erste Berührungen mit dem Geschmack der brasilianischen Küche hatten die Deutschen und andere bei Straßenfesten im Sommer und bei speziellen Events.

Wir boten pão de queijo, coxinha & Co, moqueca de peixe[1],  feijoada – heute sehr beliebt von allen die sie kennen! – und andere brasilianische Delikatessen an. Es gab Schwierigkeiten bei der Beschaffung bestimmter Zutaten und wir mussten auf die asiatischen, afrikanischen und türkischen Läden zurückgreifen, sowie auf einige deutsche Produkte, um die fehlenden zu ersetzen, die es partout nicht gab.

Nicht nur die herzhaften Speisen der brasilianischen Küche wurden von uns propagiert, sondern auch die süßen wie z.B. pudim de leite condensado, manjar de coco, Zitronen- oder Marakujatorte, brigadeiro, beijinho[2], usw.

Nicht zu vergessen die berühmte caipirinha, Pflicht-Drink in fast allen Bars und Restaurants der Welt. Unabhängig davon, wie sie zubereitet wird, ist sie weltweit beliebt. Allerdings sollte angemerkt werden, dass das Originalrezept der caipirinha mit Eiswürfeln und nicht mit Crushed Eis zubereitet wird und mit einer Limette pro Drink, bitte schön!

In der 90er Jahren waren die wichtigsten Zutaten der caipirinha, die cachaça und die Limetten, schwer zu bekommen. Limetten waren unerschwinglich teuer und es gab sie selten. Cachaça war eine Seltenheit in Berlin. Wenige Verkäufer und Getränkeläden boten, wenn überhaupt, dann nur die bekannteste industrielle Marke, aus der Werbung, die nicht unbedingt die Beste war, an. Daher war die Zubereitung der caipirinha sehr teuer.

Heute gibt es zahlreiche cachaça-Marken, von der einfachsten bis zur biologischen sowie hausgemachte Sondereditionen. Der aus Zuckerrohr hergestellte brasilianische Schnaps (auch cachaça, aguardente, caninha oder pingagenannt) , wird in fast allen Supermärkten, Lebensmittel- oder Getränkeläden in Berlin verkauft.

Die caipirinha hat sich weiterentwickelt: Es gibt neue Kreationen mit verschiedenen Früchten und Abwandlungen mit Wodka, Rum oder Sake, je nach Kreativität des Einzelnen. Sie ist ein Nationalsymbol und hat sich im Lauf der Zeit neu erfunden.

Das Getränk ist die ideale Begleitung für die feijoada, was den Deutschen schon bekannt ist, doch wenn noch einige plumas und paetês dazukommen, ist die Freude groß. Also für alle, die es mögen, ist dies die Mischung: Caipirinha, feijoada und Karneval!

Text: Nilda Bezerra

Übersetzerin: Ingrid Stein

Lektorin: Gabriela Lube

Alle Fußnoten sind Anmerkungen der Übersetzerin.

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[1] Cachaça – bras. Zuckerrohschnaps

Feijoada – bras. Bohnengericht mit schwarzen Bohnen, Reis, Maniokmehl, etc.

Plumas e patês – wörtlich „Federn und Pailletten“, ist ein sehr bekannter brasilianischer Ausdruck, der mit Glamour, Fröhlichkeit und Karneval, sozusagen mit einem Lebensgefühl verbunden ist.

[2] Pão de queijo – Brandteig aus polvilho (Stärke) mit Käse zu Bällchen gebacken

Coxinha (de galinha) – frittierte Bällchen aus Hühnerfleisch, die wie Hühnerschenkel geformt werden.  / & Co – Es gibt mehrere Sorten Frittiertes (Bällchen oder Kroketten, etc.) in der brasilianischen Küche, sehr beliebt bei Geburtstagen und Feiern jeglicher Art.

Moqueca de peixe – Fischeintopf mit Palmöl

[3] Pudim de leite condensado -  Creme caramel

Manjar de coco – Kokospudding

Brigadeiro – Schokokugel aus Milchmädchen und Schokopulver

Beijinho -  heißt “Küsschen“ auf Portugiesisch und besteht aus kleinen Kugeln aus Milchmädchen und Kokosflocken

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Nilda Bezerra

Nilda Bezerra, lebt seit April 1991 in Berlin. Sie hat viele Jahre in der brasilianischen Gastronomie gearbeitet. Zurzeit ist sie in einer Kita in Kreuzberg tätig, dem Integrations-Kinderladen Wildblume e.V. Dort kocht sie für zwei Kindergruppen.  Sie kümmert sich auch um den Einkauf und um die Planung der vegetarischen Speisen mit Bio-Produkten. Zuvor war sie seit der Eröffnung Köchin in dem „Botequim Carioca“. Leider ist dieser inzwischen geschlossen.  Zahlreiche Persönlichkeiten der portugiesischsprachigen Community waren dort zu Gast. Unter anderem der international bekannte angolanischen Schriftsteller José Eduardo Agualusa, der dort seine Erzählung „Gib deinen Kindern eine bessere Vergangenheit“ schrieb.

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