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"BR-716" von Domingos Oliveira bei Cinebrasil

Foto "BR-716" © Domingos Oliveira

Vom 25. bis 29. Januar fand im Kino Babylon das 13. Brasilianisches Filmfestival Cinebrasil statt. Ich hatte die Gelegenheit das Festival zu besuchen und dort von einer seliger Atmosphäre empfangen zu werden.

 

"Oh, das Meer, wie sehr vermisse ich das Meer!", Rief eine Dame, die hinter mir saß, sobald der Film BR-716 begann. Als ich eingeladen wurde, fragten mich welchen Film ich bei Cinebrasil sehen wollte, da fiel mir die Wahl leicht: BR-716. Selbstverständlich wäre es bei so einer guten Auswahl an Filmen die natürlichste Antwort: alle! Jedoch an diesen Wintertagen hatte ich Lust meine Phantasie durch Bohème-Freude gehen zu lassen, wie durch eine Zeit, die nicht mehr ist; eine Erinnerung an einen Lebensrhythmus der warmen Länder sättigen, ganz anders als der von Berlin - das mich dennoch verzaubert und erfüllt, aber nicht nimmt und nicht nehmen muss, diese Sehnsucht.

 

Der Raum war voll, so dass ich für einen Moment dachte, es würden Leute auf dem Boden sitzen. Es erinnerete mich an Il Sorpasso vor ein paar Jahren in der Cinemateca Portuguesa, im rahmen des italienischen Filmfestivals, einer der intensivsten Filmvorführung, die ich je erlebt habe. Das war nicht der Fall, aber trotzdem war das Zimmer so gut besucht wie gut gelaunt. Der Film von Domingos Oliveira, der beim Gramado Film Festival und der Brasilianischen Filmakademie ausgezeichnet wurde, berichtet von den Bohème-Zeiten von Filipe, ein Ingenieur und angehend Schriftsteller, in den 1960er Jahren in Rio de Janeiro. Mit viel Humor und Sinnlichkeit bringt der Film dem Zuschauer über Identitäts- und Identifikationsfragen zu besinnen, ohne dabei die politische Unruhe dieser Jahre unbemerkt zu lassen.

 

Es fühlt sich gut an, ein Kino mit fröhlichen und verträumten Menschen zu verlassen. Der Film gestaltete solch eine Reise, dass eine Dame, erst als sie schon auf der Straße war, bemerkte sie, sie hatte den Saal nur mit einem Schuh verlassen.

 

  

 
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Édi Kettemann

Édi ist ein sehr neugieriger Mensch, der sich für alles interessiert, was er sieht. Er liebt es, Menschen, ihre Bewegungen und Interaktionen zu beobachten. Dies ist wahrscheinlich der Hauptgrund dafür, dass er bereits als Jugendlicher seine Leidenschaft für Film, Theater, Schreiben und Fotografie entdeckte und seitdem pflegt. Nachdem er Elektrotechnik studierte, was ihm die Chance gab, in verschiedenen Ländern zu leben, mit verschiedenen Kulturen zu interagieren und sich mit mehreren Sprachen vertraut zu machen, engagiert er sich bei Kultur- und Bildungsprojekte. Lebt seit 2016 in Berlin.

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